LECTURE: Streik und Verweigerung als künstlerisches Material bei Tamás St.Auby

Hello, You Have a Day Off.
Streik_Flyer_Web_h_07.12.15
Hello, You Have a Day Off.

“Oh I, I got work to do, I’ve got work, baby / Got work to do, I’ve got to give it / Got work to do, I’ve got work to do / Got work to do, got so much work, yeah yeah!”

Streik_Flyer_Web_h_07.12.15

Hochschule für Bildende Künste Dresden, 15. – 16.01.2016
Eingabeschluss: 01.10.2015

Streik / Arbeit
Tagung: Hochschule für Bildende Künste Dresden
Datum: 15. & 16. Januar 2016
Konzept und Organisation: Friederike Sigler und Dietmar Rübel

“Oh I, I got work to do, I’ve got work, baby / Got work to do, I’ve got to give it / Got work to do, I’ve got work to do / Got work to do, got so much work, yeah yeah!”
The Isley Brothers, 1972

1974 wird der Künstler Gustav Metzger um einen Beitrag für die Ausstellung “Art into Society / Society into Art” am Institute for Contemporary Arts (ICA) in London gebeten. Daraufhin reicht er einen Text ein, in dem er seine Künstlerkolleg_innen dazu aufruft, die Kunstproduktion für die Dauer von drei Jahren einzustellen. Ziel war es, das damalige Kunstsystem zusammenbrechen zu lassen oder zumindest radikal in Frage zu stellen, um alternative Bedingungen für ein künstlerisches und politisches Handeln zu erzwingen. Vergleichbare Hoffnungen und Bestrebungen lassen sich in letzter Zeit wieder verstärkt beobachten. Dazu zählen etwa Jeremy Dellers Re-enactment des Arbeiterstreiks „Battle of Orgreave“ im Jahr 2001, die Künstler_innenboykotte der Sydney Biennale 2014 oder die Protestaktionen der Gruppe Gulf Labor gegen die prekären Arbeitsbedingungen beim Bau des Guggenheim Museums in Abu Dhabi. In diesem Zuge scheint die Frage danach, um was es sich bei einem Streik genau handelt und wie sich ein solcher innerhalb der Künste formieren kann, besonders relevant. Was genau also ist ein Streik in der Kunst? Das Niederlegen und Aussetzen oder auch das Verlangsamen bzw. sogar die Beschleunigung der künstlerischen Produktion? Wie funktioniert ein Streik? Kann die Kunst überhaupt streiken? Und können Künstler_innen streiken?

Muss, wenn vom Streiken die Rede ist, immer auch vom Arbeiten gesprochen werden? Im Kontext der Auseinandersetzung um postfordistische Arbeitsmodelle stellt sich die Frage, ob Künstler_innen auf ihre Rolle als vermeintliche Avantgarde der immateriellen Arbeit und Idealarbeiter_innen der Dienstleistungsgesellschaft reduziert werden können. Vielleicht rückt die Kategorie „Arbeit“ innerhalb der Künste seit der Jahrtausendwende auch deshalb in das Zentrum der Aufmerksamkeit, weil durch diese Fixierung gezielt Alternativen zur sich ausbreitenden Totalisierung von Arbeit verdrängt werden sollen. Seit den späten 1960er Jahren setzen sich hingegen Künstler_innen wie Mary Kelly, Harun Farocki oder Santiago Sierra sowohl mit den eigenen als auch den gesellschaftlichen Produktionsbedingungen kritisch auseinander – bis hin zum “General Strike” durch Lee Lozano. Gegenstand der zweitägigen Tagung sollen deshalb beide Kategorien – Streik und Arbeit – sein, um diese gegeneinander (oder miteinander) auszuspielen. Ziel ist es, verschiedenste künstlerische Strategien von Arbeit und Streik zu versammeln, von der materiellen zur immateriellen Arbeit, von der Ent- bis zur Beschleunigung, vom Burnout bis zur Faulheit, vom Sichtbarmachen zum Verschwinden, vom Afformativen zum Performativen, vom Schreien zum Schweigen …

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